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Berichte aus Bozen und Rovereto über Ernteaussichten, Seidenkultur und den Besuch Erzherzog Rainers

Zusammenfassung

Ein Bericht aus Bozen schildert die günstigen Ernteaussichten für Wein, Kukurutz und Seidencocons sowie den Besuch ausländischer Reisender und des Forschers F. W. Sieber. Aus Rovereto wird die Ankunft des Erzherzogs Rainer, Vizekönig von Lombardei-Venetien, und seiner Gemahlin gemeldet.

Vollständige Transkription

Tirol.

Botzen, Ende Juni. Unsere Stadt scheint in den reichen Segnungen zu schwelgen, welche der Himmel in dieser schönen Jahres-Zeit auf die glückliche Umgebung herabströmt. Der anhaltende Regen hat wenig geschadet, und wir dürfen zuversichtlich einer überaus ergiebigen Weinlese entgegen sehen. Die Preise weichen daher seit einiger Zeit ziemlich bedeutend zurück, und können allem Anscheine nach noch keine Festigkeit gewinnen. Die üppige Triebkraft der Natur zeigt sich an Auffallendsten im Garten des Herrn Johann Alois Lang, eines hiesigen Güterbesitzers, wo ein einziger 19jähriger Rebstock mit 12 Arme 501 Trauben zählt, die ganz vollkommen sind. Nach dem Urtheile des Kenner wird er noch vor Ablaufe des Monats September zwei Yhren Most daraus pressen können. Diese Wunderrebe ist befindet sich ganz in der Nähe seiner geschmackvollen neu angelegten Eremitage. - Die Pflanzungen der Maulbeerbäume machen wichtige Fortschritte. Die Ernte der Cocons ist sehr reichlich ausgefallen und es ist erfreulich zu sehen, mit welchem Fleiße man sich seit zwei Jahren auf die Seidenkultur, eine Hauptquelle des Reichthums unserer südlichen Nachbarn, verlegt. Ein Gutsbesitzer, der ein ansehnliches Landgut in der Gegend von Moritzing besitzt, hat allein den zwölf Zentner Cocons gesammelt. - Wenn auch die Etsch in einigen Gegenden ausgetreten ist, so werden wir doch an Türkisch-Korn (Kukurutz) keinen Mangel leiden. Die Felder, die mit ihrem Besuche verschont blieben, sind prangend und blühend mit diesem herrlichen Getreide, das wir den Erdäpfeln bei weitem vorziehen. – Ein fürchterlicher Sturm hat die Gärten am Garda-See ganz verheert: bei uns hingegen stehen die Zitronen und Orangenbäume voll goldner Früchte. Ueberhaupt sind wir bis jetzt zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. – Reisende, vorzüglich Engländer, haben uns häufig besucht, und warum sollte unser Land, das so reich an Wundern der Natur ist, und in keiner Hinsicht der oft mit blinder Vorliebe so hoch gepriesenen Schweiz nachstehen dürfte, Jedem nicht ganz Unempfänglichen länger gleichgültig bleiben? - Der berühmte Reisende Herr F. W. Sieber, bereist im gegenwärtigen Augenblicke unsere Gebirge, und die wichtigen Resultate seiner Beobachtungen sollen der gelehrten Welt durch den Druck mitgetheilt werden. Diese Reisebeschreibung wird gewiß vorzüglich für den Botaniker und Mineralogen sehr interessant seyn.

Roveredo, den 28. Juni. Gestern Nachmittags um 3 Uhr langten S. k. k. H. der Erzherzog Rainer, Vicekönig des Lombardisch-Venetianischen Königreichs, mit Ihrer erlauchten Gemahlin der Prinzessin von Savoien-Carignan im besten Wohlseyn hier an. Diesen Morgen um 5 Uhr setzten Hochdieselben Ihre Reise nach Verona fort.

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Das Jahr 1820 war in Meran und Umgebung geprägt von staatlicher und kirchlicher Repräsentation, wirtschaftlichen Aktivitäten wie Weinversteigerungen und einer ertragreichen Weinlese sowie von besorgniserregenden Brandstiftungen im Herbst. Ergänzt wurden diese lokalen Ereignisse durch regionale Berichte über günstige Ernteaussichten, demografische Entwicklungen und historische Betrachtungen zur Kaufkraft. Die Berichterstattung spiegelte insgesamt eine fortwährende Bestandsaufnahme von Wirtschaft, Gesellschaft und Loyalität gegenüber dem Kaiserhaus wider.

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"Berichte aus Bozen und Rovereto über Ernteaussichten, Seidenkultur und den Besuch Erzherzog Rainers." Der Bote für Tirol, 3. Juli 1820. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/03.07.1820/149638/1. https://meran-archive.com/de/artikel/1820-07-03-berichte-aus-bozen-und-rovereto-ueber-ernteaussichten-seidenkultur-und-den-besuc