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Neujahrsspende in Schwaz und meteorologischer Jahresrückblick 1820 für Innsbruck

Zusammenfassung

In Schwaz wurden zum Jahreswechsel anstelle traditioneller Höflichkeitsgeschenke 58 Gulden für Bedürftige gesammelt. Zudem veröffentlichte man für Innsbruck die detaillierten meteorologischen Daten des Jahres 1820, das sich im 44-jährigen Vergleich als überdurchschnittlich nass, windig und kühler erwies.

Vollständige Transkription

Tirol.

Schwatz, den 3. Jän. Auch in unserer armen Gemeinde hat die Sitte, eine wohlthätige Gabe an die Stelle alter Höflichkeit zu setzen, den Nothleidenden heuer ein Neujahrsgeschenk von 58 fl. 12 kr., also fast noch einmal so viel, als im vorigen Jahre gebracht.

Innsbruck, den 8. Jän. Die meteorologischen Beobachtungen wurden hier in dem jüngstverflossenen Jahre 1820 mit eben der Genauigkeit fortgesetzt, wie die vorhergehenden; sie gaben folgende Resultate:

  1. Der mittlere Barometerhöhen betrug 26 Zoll 3 ⅓ Linien.

  2. Der mittlere Wärmegrad aus den vormittägigen Beobachtungen 3 8/100 Grad, aus den nachmittägigen 11 15/100, daher aus allen 7 215/1000 Grad nach Reaumur.

Die Mittel aus den Barometershöhen wurden nicht aus der größten und kleinsten beobachteten Höhe allein, sondern weit genauer aus allen täglich zweimal angestellten Beobachtungen bestimmt; so wurde auch bei dem Auffinden des mittleren Wärmegrades für dieses Jahr verfahren. Man suchte nämlich aus allen vormittägigen Beobachtungen z. B. die Wärmegrade am Thermometer, die Summe der Grade eines Monats, und dividirte alle die Anzahl der Tage; der Quotient gab den mittleren vormittägigen Wärmegrad für das gewählte Monat. Die Summe endlich aller mittleren vormittägigen Wärmegrade in den 12 Monaten wurde durch 12 dividirt, und so ergab sich der mittlere vormittägige Wärmegrad des Jahres 1820. So berechnete man auch den nachmittägigen, die Summe aus beiden letzteren Resultaten halbirt, gab den mittleren Wärmegrad des Jahres 1820. Die mit den Strichen bezeichneten Beobachtungen bedeuten die Grade unter dem Gefrierpunkte an einem Quecksilber-Thermometer nach Reaumur, und müssen, wie bekannt, von der Summe der addirten Beobachtungen jedes Monats oder des ganzen Jahres abgezogen werden. Das Zu- und Abnehmen der Wärme durch alle Monate einzusehen, dienet folgendes Verzeichniß der mittleren Wärmegrade jedes Monats, sowohl Vor- als Nachmittag. Die nach dem Spunkte folgenden Ziffern bedeuten jedesmal die hundertsten Teile.

Monat Vorm. Nachm.

Jänner. -5.54 -0.31 Juli 10.68 21.63

Febr. -1.38 5.55 August 11.66 22.15

März. -0.62 7.40 Septem. 7.11 14.98

April. 4.73 14.51 Oktober. 5.48 11.05

Mai. 7.89 17.61 Novem. -3.48 2.84

Juni. 7.83 16.90 Dezem. -5.04 -0.52

Mittel Vorm. 3. 28. Nachm. 11. 15.

c. Vergleichet man den mittleren Wärmegrad dieses Jahres = 7 215/1000 Grad mit jenen der vorhergehenden 44 Jahre, so ergiebt sich, daß das Jahr 1820 unter die kälteren gehöre, denn der mittlere Wärmegrad aus den vorigen 44 Jahren giebt 7 25/100 Grad für Innsbruck.

d. Um den Unterschied der Temperatur dieses verflossenen Jahres gegen jene der vorausgegangenen noch näher beurtheilen zu können, füget man eine Vergleichung nach den vier Jahreszeiten bei. Als Frühlings-Monate wurden: März, April, Mai; als Sommermonate: Juni, Juli, August; als Herbstmonate: September, Oktober, November; und endlich als Wintermonate: Dezember, Jänner und Februar angenommen.

Jahreszeit 1820 Mittlerer Grad von 44 Jahren

Frühling 8.59 8.16

Sommer 15.14 14.46

Herbst 6.31 8.03

Winter -1.21 -0.81

Frühling und Sommer gehören daher zu den wärmeren, Herbst und Winter zu den kälteren Jahreszeiten, in Rücksicht auf die mittleren beobachteten Wärmegrade der vorigen 44 Jahre; eben dieß war der Fall in den Jahren 1781 und 1788.

e. Die größte Wärme war am 1. August, sie betrug 26½ Grad; die größte Kälte am 13. Jänner -20 Grad.

f. Die Anzahl der Tage ohne Regen und Schnee betrug 214; regnichte, und Tage, an welchen es schneiete, waren 152; an 69 Tagen bemerkte man einen stärkeren Wind; an 26 Tagen donnerte es. Nach der Beobachtung der vorigen 44 Jahre war die mittlere Zahl der Regen- und Schneefreien Tage 237. Der Tage, an welchen es regnete oder schneite, 128. Der windigen Tage 56. Tage, an denen es donnerte, 14. Daher gehört das Jahr 1820 zu den mehr nassen, windigen und gewitterreichen Jahren.

g. Um endlich noch leichter die Zahl der regnichten und trockenen Tage nach den Jahreszeiten, in welchen sie sich ereigneten, übersehen und vergleichen zu können, folget das Verzeichniß der Beobachtungen nach den vier Jahreszeiten mit den Berechnungen des Mittels aus 44jährigen Beobachtungen.

Jahreszeit 1820 Mittlere Zahl der nassen Tage in 44 Jahren

Frühling 40 29

Sommer 57 45

Herbst 34 27

Winter 21 24

Diese zeigen, daß im Frühling, Sommer und Herbst es öfters als die vorigen Jahre geregnet, dagegen im Winter weniger oft geschneiet habe. Dieser Fall ereignete sich auch im Jahre 1809.

1821 im Überblick

Zu Jahresbeginn 1821 dokumentierte die Chronik karitative Spendenaktionen zugunsten von Bedürftigen in Schwaz anstelle traditioneller Höflichkeitsgeschenke. Ergänzend wurden meteorologische Rückblicke auf das Vorjahr veröffentlicht, die Innsbruck als überdurchschnittlich nass, windig und kühler auswiesen.

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"Neujahrsspende in Schwaz und meteorologischer Jahresrückblick 1820 für Innsbruck." Der Bote für Tirol, 8. Januar 1821. https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/47/1/08.01.1821/149692/1. https://meran-archive.com/de/artikel/1821-01-08-neujahrsspende-in-schwaz-und-meteorologischer-jahresrueckblick-1820-fuer-innsbru